Die Geschichte von Fred

Ein Haus erzählt die Geschichte seines Verkaufs

 

Hey Leute! Ich bin Fred, ein freistehendes Einfamilienhaus. Witzige Abkürzung, nicht wahr?! Ich will euch mal meine Geschichte erzählen. Ich wurde nämlich verkauft und bis auf diese Abkürzung war so ziemlich gar nichts witzig an dem Verkauf.

Ihr müsst wissen, ich bin im besten Alter, so um die 30. Ich stehe an einem sonnigen Plätzchen mit einem normal großen Grundstück, in einer ruhigen Nebenstraße einer größeren Stadt, neben mir einige Gleichaltrige, die auch so ähnlich aussehen wie ich. Eben eine Generation.

Fred

Mein Hausherr und seine Chefin haben mich mal bauen lassen. Ich habe die Kinder aufwachsen sehen. War echt ne tolle Zeit, muss ich schon sagen. Doch in den letzten Jahren ist es ruhig geworden. Die Kids sind weg. Dann noch der Herzinfarkt des Hausherrn, da hat die Chefin gesagt: „Jetzt muss das Haus weg und wir ziehen in eine Wohnung. Du schaffst das doch alles nicht mehr mit dem Garten! Das große Haus! Die Treppen!“ Natürlich tat mir das weh, aber Recht hatte sie schon. In den letzten Jahren hatte mich der Hausherr etwas vernachlässigt. Die Heizung war in die Jahre gekommen, an einigen Stellen bröckelte der Putz, dann gab es mal einen Wasserschaden im Keller. Also früher hatte er sich schneller und besser um mich gekümmert. Nun gab es nicht mehr die teuerste Farbe und wenn ohnehin der Verkauf bald ansteht, dann wollte er schon gar keinen Finger mehr krumm machen.

Also haben sie überlegt, wieviel Kohle sie für den Rest des Lebens noch so brauchen können. Zweihundertfünfzigtausend. Ich war schon geschmeichelt, dass ich ihnen eine Viertelmillion wert bin.

Sie haben dann fix einen Dreizeiler geschrieben und ein paar Fotos mit dem Handy geknipst (auf denen man eh nix erkennen konnte) und alles rein bei ebay Kleinanzeigen. Dort kostet die Annonce ja nichts. Mein Hausherr ist sehr kostenbewusst, aber leider entpuppt sich das häufig als Geiz am falschen Platz.

Dann hatte er noch die „grandiose“ Idee eine öffentliche Besichtigung anzusetzen. An einem Samstag zwischen 15 und 17 Uhr konnte kommen, wer wollte und das Haus besichtigen und natürlich gleich kaufen. Ich sage Ihnen, das war mit Abstand die bescheuertste Idee, die er haben konnte. Das halbe Viertel kam und trampelte durch mich durch. Die meisten wollten nur mal gucken, wie sie mich so eingerichtet haben und sich vielleicht ein paar Ideen holen. Kindergeschrei, Hundegebell – die Leute bringen ja immer gleich alles mit, was ihnen lieb und teuer ist. Sie haben sich über die Einbauküche lustig gemacht, ein paar Dekogegenstände sind seitdem auch verschwunden und sie haben den Teppich im Flur tierisch verschmutzt. Jedenfalls war die Chefin den ganzen Sonntag nur am Putzen und hat dem Hausherrn ähnliche Aktionen für die Zukunft strikt untersagt.

Also sind sie nochmal ran, haben die Annonce überarbeitet. Das Haus ausführlicher beschrieben und Interessenten eingeladen, sie anzurufen. Das lassen sich manche Leute ja nicht zweimal sagen. Jedenfalls klingelte das Telefon zu fast jeder Tages- und Nachtzeit. Die Chefin stöhnte schon bei jedem Klingeln und leierte dann ihren Psalm ab. Immer die gleichen Fragen: Muss man noch viel investieren? Wie groß ist das Grundstück? (steht doch in der Annonce!) Kann man eine Doppelgarage bauen? Wie weit gehen sie mit dem Preis runter? Wisst ihr, Leute, ich verstehe ohnehin nicht, wie manche schon übern Preis reden können, ohne mich gesehen zu haben. Naja, die Chefin war jedenfalls ziemlich genervt. Der Hausherr hat den Interessenten das Haus gezeigt, fing immer an mit „Das ist unser geliebter Fred“ – also ich hätte eine Dachziegel nach ihm werfen können – und die meisten Leute, die kamen, fand er sowieso unsympathisch. Ich schätze mal, das beruhte auf Gegenseitigkeit. Hinterher ist er dann immer über die Leute hergezogen: „Haste den gesehen“, sagte er zu seiner Chefin, „ist hier durchstolziert, als ob ihm das Haus schon gehört.“ Oder „Was der alles wissen wollte! Bin ich Jesus?“ oder „Dieser Meckerkopp. Soll er doch neu bauen!“ und so weiter. War echt ne harte Zeit, nicht nur für die beiden. Für mich auch. Dauernd irgendwelche Leute, die immer irgendetwas auszusetzen hatten. Den meisten war der Preis eh zu hoch.

Als sie dann an einem Wochenende zur Taufe ihres ersten Enkelkindes fahren wollten, der Hausherr aber noch kurzfristig eine Besichtigung angesetzt hatte, der Interessent nicht kam und auch nicht absagte und sie warteten und warteten und kamen letztendlich zu spät zur Taufe, hatte die Chefin die Nase voll. So einen hysterischen Anfall habe ich nur selten in den letzten drei Jahrzehnten erlebt: „Jetzt reicht es, Dieter!“ schrie sie und setzte hinzu, dass es nun an der Zeit ist, einen Makler einzuschalten.

Meine Chefin kann lesen – und gottseidank – schätzt sie es, wenn sie gut informiert wird. Also ist sie auf LichtWelt-Immo gestoßen. „Licht für Ihr Leben“ – ja, das war es! Licht und viel Energie konnte sie jetzt echt gut gebrauchen. Als sie dem Hausherrn erzählte, dass LichtWelt-Immo für den Verkäufer kostenneutral arbeitet und er keinen Makler-Alleinauftrag unterschreiben muss, ließ er sich dazu bewegen, es mal „zu versuchen“. Also vereinbarten sie einen Termin, ganz unverbindlich, und es kam eine freundliche Maklerin, mit der man sich ganz normal unterhalten konnte. Sie hat mich begutachtet und ich habe mich endlich mal richtig wahrgenommen gefühlt. Das klingt vielleicht doof, aber schließlich hat jedes Haus auch so etwas wie eine Seele und braucht ehrliche Aufmerksamkeit und Zeit.

Die Maklerin hat erstmal eine Immobilienbewertung vorgenommen und meinen Hausherrn aus seinen Träumen geweckt. Heizung alt, das erste Dach, nur eine einfache Dämmung, Fenster in Ordnung, aber alt, ein igittigitt Teppich im Flur, nur im Bad Bodenfliesen, kein Parkett, nicht mal Laminat, die Einbauküche – naja, an ihrem Naserümpfen war schnell feststellbar, dass sie auch schon besseres gesehen hatte. Schöne Holztreppe, sagte sie und strich liebkosend über eine Stufe. Das hatte nicht einer der Interessenten festgestellt. Und sie machte auch sonst alles ganz anders. Mit dem Fotoapparat machte sie so schöne Fotos, dass ich mich später kaum wiedererkannte. Sie hat viel über mich geschrieben, eine lange und ausführliche Beschreibung. Ich war unendlich geschmeichelt. Ein Energieausweis wurde beigebracht. Die für den Verkauf notwendigen Unterlagen wie Grundrisse, Lageplan und Grundbuchauszug, zusammengestellt. Die Chefin kontrollierte alles und war entzückt, dass ich nun auf den wichtigsten Immobilienportalen zu finden war. Sie verglich meinen Preis mit anderen angebotenen Immobilien und fand, dass wir echt eine gute Chance hätten. Irgendwie funktionierte alles viel reibungsloser.

Jetzt kamen hin und wieder Interessenten, denen die Maklerin das Haus zeigte. Ruhig gingen sie umher, begutachteten mich, tauschten leise Informationen aus. Klopften hier, strichen dort über mich. Es war einfach nur angenehm. Mein Hausherr sollte sich im Hintergrund halten, was er auch tatsächlich schaffte, meistens ging er Holz hacken. Die Chefin lächelte freundlich und saß im Wohnzimmer vor dem Fernseher, immer mit einem Ohr bei den Interessenten. Manchmal standen ein paar Leute vor dem Haus und begutachteten es. Ein Pärchen sah ich dann später bei einer Besichtigung wieder. Die Maklerin hatte sie erstmal geschickt, damit sie die Lage prüfen konnten. Besichtigungstourismus wollte sie nicht. Sie wollte nur besichtigen, wenn tatsächlich ein ganz ernsthaftes Interesse besteht. Es dauerte noch eine Weile, dann kaufte mich dieses Pärchen. Die waren ziemlich genau in dem Alter, wie der Hausherr, als er mich mal erbauen ließ. Ich hatte gleich ein gutes Gefühl und dachte, wir passen zusammen. Naja, es ging auch die erste Zeit ganz gut. In den letzten Monaten streiten sich die beiden ziemlich oft. Verdammt, ich mag die echt gern.

Manchmal denke ich, ich gebe denen noch ein Jahr. Wenn sie sich trennen, werden sie mich wieder verkaufen müssen. Ich kann nur beten, dass sie dann von Anfang an einen Makler einschalten werden. Vielleicht wieder diese freundliche Maklerin von LichtWelt-Immo, die mich immer so zärtlich getätschelt hat…

 

 

 

© Dr. Annett Volmer für LichtWelt-Immo

 

"Die Geschichte von Fred", Autor: Lutz Walter, letzte Aktualisierung der Webseite: 20. März 2017